Kontinuität des Mahnens
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Rund 150 Menschen haben der Polizei zufolge am Samstagabend auf dem Opernplatz in Hannover der Terroropfer der Pariser Attentate gedacht. Zu der Mahnwache hatten verschiedene deutsch-französische Organisationen aufgerufen. Die Teilnehmer, unter ihnen auch der hannoversche Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD), zündeten auf den Stufen der Oper Kerzen an und umarmten sich. Viele trugen Schilder mit der Aufschrift "Je suis Paris" (Ich bin Paris). Damit bekundeten Menschen in den vergangenen Stunden weltweit ihre Solidarität mit den durch Terror geschockten Franzosen.
Schostok sagte, niemand sollte sich durch die Angriffe ängstigen und im Kampf für den Erhalt Freiheit und Demokratie beirren lassen. "Die Trauer ist verständlich und nötig." Zu dem am Dienstag in Hannover geplanten Länderspiel zwischen der deutschen Nationalmannschaft und den Niederlanden sagte er, noch sei unklar, ob es stattfinde. Er könne verstehen, dass der DFB diese Entscheidung mit Bedacht treffe. Wichtig sei es aber, ein Zeichen zu setzen, das Spiel nicht wegen eines terroristischen Aktes abzusagen.
Der Vorsitzende der Deutsch-Französischen Gesellschaft Hannover, Jürgen Grabowski, stand noch immer unter Schock. Angehörige seiner französischen Ehefrau mussten sich am Freitagabend während der Angriffe in einem Pariser Restaurant verschanzen. "Zum Glück ist ihnen nichts passiert."
Angesichts der Ereignisse sei es wichtig, an den Frieden zu denken und diese Taten nicht für andere Zwecke zu instrumentalisieren, mahnte Grabowski. "Dafür müssen wir nicht lautstark demonstrieren, sondern einfach zusammenstehen und an diejenigen denken, die leider nicht mehr dabei sein können."
Die Mahnwache wurde von der deutsch-französischen Kooperationseinrichtung "Antenne Métropole" und der deutsch-französischen Gesellschaft in Hannover organisiert. In Deutschland leben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes etwa 120.000 Franzosen.
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Bild: Rolf Zoellner
Der Volkstrauertag bleibt nach Ansicht der hannoverschen Kirchenamtspräsidentin Stephanie Springer ein wichtiger Tag in der deutschen Erinnerungskultur.
„Gerade in unserer aufgewühlten Zeit und inmitten der großen Flüchtlingsbewegungen halte ich es für angebracht, einen stillen Tag zu begehen und an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen zu gedenken“, sagte die Juristin und Verwaltungschefin der größten deutschen evangelischen Landeskirche im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Mit dem Volkstrauertag an diesem Sonntag erinnert Deutschland an die Toten von Krieg und Gewaltherrschaft. „Seit den 1920er Jahren wird über den Sinn des Volkstrauertages diskutiert“, sagte Springer, die am 10. November 2015 in den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt wurde. Doch auch weitere ähnliche Gedenktage wie der seit 1996 in Deutschland begangene Holocaust-Gedenktag und der erst in diesem Jahr eingeführte „Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung“ könnten ihn nicht ersetzen.
„Er ist ein traditioneller, kulturell aufgeladener Gedenktag, der gleichzeitig sehr aktuelle Fragen zu Terror, Vertreibung, Diktatur und Kriegsgefahr stellt“, sagte Springer. Sie erinnerte an die Ursprünge des Tages, mit dem 1922 erstmals der Millionen Kriegstoten des Ersten Weltkrieges gedacht wurde.
„Die Erinnerung insbesondere an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs vereint auch viele europäische Länder und hat eine gemeinsame Friedenspolitik eröffnet“, betonte Springer. „Deshalb stellt der Volkstrauertag eine europäische Kontinuität des Gedenkens und der Mahnung her, die ich nicht missen möchte.“
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